Kö-Bogen: Streit um Hofgartenstraße

25.02.2010, ein Bericht von Silke Lauenroth

R(h)einsicht: Kö-Bogen: Streit um Hofgartenstraße

Im August 2009 fand der symbolische erste Spatenstich für den Kö-Bogen statt. Nun nimmt die Realisierung des Bauprojektes auf dem Jan-Wellem-Platz immer konkretere Formen an. Im Hofgarten wird nämlich bereits eine Zulieferstraße für die Baufahrzeuge angelegt. Doch um diese Straße ist nun ein politischer Streit entbrannt.

An der Landskrone im Düsseldorfer Hofgarten laufen die Vorbereitungsmaßnahmen für den Bau des Kö-Bogens. Wo bisher ein Fußgängerweg war, entsteht nun die Zulieferstraße zur zukünftigen Baustelle auf dem Jan-Wellem-Platz. Bis zur voraussichtlichen Fertigstellung der Daniel-Libeskind-Entwürfe im Herbst 2013 soll die Straße von den Baufahrzeugen genutzt werden.
Insgesamt 24 Bäume müssen gefällt werden, um die Interimsstraße anzulegen. Erst am Wochenende haben rund 50 Bürger, Politiker und Mitglieder verschiedener Initiativen an einer Mahnwanderung teilgenommen. Damit wollten sie ihre Ablehnung der zweispurigen Interimsstraße im denkmalgeschützten Hofgarten verdeutlichen.

Planungsdezernent Gregor Bonin warb dagegen für Verständnis für die Maßnahmen. Schließlich habe die Interimsstraße große Vorteile, da dadurch der Verkehr in diesem Bereich - täglich mehrere tausend Fahrzeuge - auch während der Bauzeit des Kö-Bogens aufrecht erhalten werden könne. Außerdem wäre die Interimsstraße bereits eine Vorbereitung auf die zukünftige landschaftspflegerische Gestaltung des Hofgartens nach historischem Vorbild. Für Planungsdezernent Gregor Bonin gibt es demnach keine Alternative zur Interimsstraße.

Clara Deilmann, Grünen-Politikerin und Mitglied der Kleinen Kommission Kö-Bogen, sieht das anders. Ihr Alternativvorschlag: den Verkehr über den Tausendfüssler und dann über die Steinstraße zu leiten. Eine Änderung zur ursprünglich geplanten Straßenführung gibt es allerdings. Denn der Verkehr wird nun über die Interimsstraße in die Ludwig-Zimmermann-Straße weitergeführt und nicht in die Elberfelderstraße. Nach Angaben von Planungsdezernent Gregor Bonin könne man so wesentlich ruhiger den Tunnelausgang in der Elberfelderstraße bauen und sich um mögliche archäologische Funde kümmern. Dadurch würde man voraussichtlich mindestens ein halbes Jahr Zeit einsparen.

Neben den Baumfällungen steht aber auch die Informationspolitik der Stadt in der Kritik. Die Grünen beklagen, dass sie erst am vergangenen Freitag über die Baumfällungen in Kenntnis gesetzt wurden. Die Stadt verweist dagegen darauf, in den Sitzungen der “Kleinen Kommission Kö-Bogen” die geplanten Baumfällungen vorgestellt zu haben. In Zukunft wolle man aber noch offensiver informieren. Das allein reicht den Grünen allerdings nicht. Sie werden versuchen, den Bau der Interimsstraße in der nächsten Ratssitzung am 4. Februar zu stoppen. Kritik daran kommt auch von der SPD, die aus Protest gegen das gesamte Projekt nicht an der Kleinen Kommission „Kö-Bogen“ teilnimmt. In einer Pressemitteilung erklärte der Fraktionsvorsitzende Markus Raub: „Die SPD-Ratsfraktion sieht gerade angesichts der ungeklärten Informationslage im Zusammenhang mit der so genannten Interimsstraße durch den Hofgarten bis auf Weiteres keine Veranlassung, dem Gremium beizutreten.“

Wie zukünftig über die Fortschritte der Bauarbeiten informieren werden soll, auch dazu hat die Stadt Pläne. Unter anderem wird es demnächst im Info-Container für die Wehrhahn-Linie auch Informationen zum Kö-Bogen geben. Angedacht ist weiterhin ein architektonisch interessanter zusätzlicher Info-Container, der auch bei zukünftigen anderen Bauprojekten zum Einsatz kommen könnte.

Eine wichtige Information sind auch die Kosten für das Projekt. Denn mit knapp 200 Millionen Euro wird der erste Bauabschnitt nun etwa 55 Millionen Euro teurer als im Grundsatzbeschluss geplant. Allerdings konnten damals einige Kosten noch nicht genau beziffert werden.

Die Kosten könnten wohl noch für weiteren politischen Streit sorgen. Und auch die Diskussion um die Interimsstraße im Hofgarten ist noch nicht beendet. Am Donnerstag tagte der Düsseldorfer Stadtrat. Und dort stand Planungsdezernent Gregor Bonin der Opposition Rede und Antwort. Die Forderungen von Grünen und SPD nach alternativen Verkehrsführungen wurden abgelehnt. Planungsdezernent Gregor Bonin verwies darauf, dass eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung für die Interimsstraße und die Baumfällungen vorläge. Die Grünen wollen dennoch insgesamt für einen sensibleren Umgang mit Bäumen kämpfen, auch wenn sie die 24 Bäume entlang der Landskrone nicht mehr retten können. Auf der dort geplanten zweispurigen Interimsstraße wird ab dem Frühjahr der Autoverkehr fließen.

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